Besen

Seit Karl dem Großen gilt: wer in Deutschland eigenen Wein anbaut, darf den auch ausschenken. Bis zu zwölf Wochen im Jahr - aber es darf nur eigener Wein sein. Dazu dürfen einfache Speisen gereicht werden und man kann für die Gäste das Wohn- und das Schlafzimmer ausräumen und Tische und Bänke reinstellen. Das ganze ist von außen zu kennzeichnen - nicht mit einem Schild, wie eine normale Gaststätte, sondern mit einem Busch, einem Strauß - oder in Schwaben eben mit einem immer wieder verwendbaren und auch anders einsetzbaren Besen. So sind die Besenwirtschaften geboren und leben heute noch.

Jürgen Krug kam aus Franken, liebte zuerst nur das Theaterspielen und die Kleinkunst, dann in Feuerbach liebte er zusätzlich auch noch Karin Turba und den Wein. Alles zusammen ergab und ergibt immer noch den "Feuerbacher Kulturbesen"

Der macht zweimal im Jahr auf und immer wenn er auf hat, gibt es auch ein Kleinkunstprogramm, das es in sich hat. Hier haben Karrieren angefangen und wurden andere zurechtgestutzt. Denn die Bühne - eigentlich drei abgedeckte Euro-Paletten nebeneinander - ist so dicht beim Publikum, dass Kontakt und genaues Hinschauen nicht ausbleibt. Wer hier seine neue Zaubernummer ausprobiert, weiß nach zwei Minuten, ob der Trick gelungen ist. Kein Wunder, dass viele renommierte Künstler immer wieder gern an den Ursprung ihrer Karriere zurückkehren, auch um zum Beispiel Teile einer neuer Solonummer auszuprobieren. Hier spielt man inmitten des Publikums , kann nichts verbergen. Wer und was nicht gut ist, geht hier sofort unter. Das Gute aber wird sofort durch das Mitgehen des Publikums veredelt.

Leider bleiben solche Geheimadressen nicht lange geheim. Das neue Programm ist immer heiß begehrt ... Also ranhalten.

Jürgen Krug und Karin Turba

sind Herz und Seele des Feuerbacher Kulturbesens. Jürgen Krug kann granteln, wie es nur ein Bayer kann, hat er doch ein heimliches Vorbild - auch aus Bayern: Karl Valentin. Dessen Sketche "Buchbinder Wanninger", "Der Firmling" und "Der reparierte Scheinwerfer" kann Jürgen Krug nicht nur auswendig - er kann sie auch perfekt spielen. Dies tut er auch hin und wieder in seiner Besenwirtschaft.

Meistens aber grantelt er nicht, sondern begrüßt seine Gäste - immer mit rotem Schal umhüllt - sein Erkennungszeichen. Weist Ihnen den Platz an, schaut, dass sie was zu Trinken und nichts zu Rauchen haben, raspelt Süßholz und ist der charmanteste Besenwirt der Welt.

Könnte er alles nicht sein, wenn er nicht seine Karin Turba hätte, denn Wein, Besen und Kochen sind nun mal ihre Hobbies und so "schmeißt" sie in ihrer kleinen Küche das gesamte gastronomische Besenprogrmm. Jürgen zapft den Wein, Karin schmort das Sauerkraut. Das gibt einen Duft, der das Viertel erfüllt und so könnten die Menschen den Weg eigentlich auch einfach der Nase nach finden. Und während Jürgen noch zapft und grantelt und Valtentin ist, hat sie die Schlüsselgewalt über Haus, Hof und Herd und schiebt ein neues Blech Sauerkrautkuchen in die Röhre.